
Immobilienpreise
– eine
Prognose
Die Entwicklung der Immobilienpreise in Deutschland
Die Immobilienpreise sind in Deutschland 2021 nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 11 % gestiegen. Diese Richtung hat sich 2022 etwas abgeflacht. Experten vermuten als Gründe dafür verstärkte Neubautätigkeiten und ein verlangsamtes Bevölkerungswachstum. Hinzu kommt, dass Inflation und steigende Baukosten die Nachfrage weiter drücken, sodass sich eine weitere Verlangsamung des Preisanstiegs für Immobilien abzeichnet.
Politische und wirtschaftliche Implikationen setzen den Immobilienpreis ebenfalls unter Druck, wobei hier den Immobilien die Rolle als krisensicheres Betongold zugutekommen kann. Hinzu gesellen sich gesellschaftliche Trends, die ebenfalls Auswirkungen auf die Immobilienpreise in Deutschland haben. Diese Trends möchten wir uns gemeinsam ansehen.
Landflucht in Deutschland

Die Menschen zieht es wieder stärker aufs Land, was 2021 einen Preisanstieg für Immobilien um 15,5 % zur Folge hatte. Der Trend zur Häuslichkeit, den Soziologen wenig schmeichelhaft als Biedermeier 2.0 attribuieren, dürfte sich weiter verstärken. Während die Umwelt mit Krieg, Krise und Kriminalität zunehmend bedrohlich erscheint, bietet das eigene Zuhause eine Trutzburg zum Zurückziehen, in der es sich dank des digitalen und technologischen Fortschritts bequem einrichten lässt. Auch dies hat Einfluss auf die Entwicklung der Immobilienpreise.
Dies sowie das verstärkte Arbeiten im Home-Office führen dazu, dass die Bedeutung kurzer Wege abnimmt, sodass eine eher abseitige Lage in hübschen grünen, ländlichen Regionen zunehmend toleriert wird. Allerdings gilt dies nicht grundsätzlich. Analysten urteilen, dass angesehene Regionen mit guter Infrastruktur florieren, während abgehängte Regionen eher gemieden werden. Hier möchte man sich weniger gern zurückziehen.
Immobilienpreise in Städten
Die Situation in Städten scheint vor allem eine Frage der persönlichen Wahrnehmung zu sein. Wurden die Innenstädte bis in die 1980er-Jahre hinein unter dem Trend einer schon damals zu beobachtenden Landflucht im Zuge der beginnenden Deindustrialisierung überwiegend als Problemzonen betrachtet, sehen andere in den Städten eher die Speckgürtel in angesagten Vororten. Tatsächlich ist es eher eine Frage, um welche Regionen der Stadt es sich handelt.
Hier existiert ein Nebeneinander zwischen abgehängten und angesagten Vororten, zerfallenen Innenstädten, Ghettos, Villenvierteln und Innenstadtbezirken, in denen die Gentrifizierung weit vorangeschritten ist. Auch die Städte in Deutschland unterscheiden sich stark voneinander, wobei das Spektrum ungefähr zwischen München und Gelsenkirchen reicht.
Trend zu Fertighäusern

Eine weitere Auffälligkeit ist der Trend zu Fertighäusern. Fertighäuser, die das Gegenbild von Massivhäusern sind, nehmen inzwischen bei den genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern einen Anteil von 23,1 % ein. Die Anzahl an Fertighäusern unter den Neubauten hat sich seit 2007 sogar verdoppelt. Der Trend ist auf die stärker ausgeprägte Sensibilität gegenüber ökologischen Fragen unter dem Zeichen der Klimakrise zurückzuführen.
Fertighäuser gelten durch ihre kurze Bauzeit als nachhaltig, zumal sie in der Regel als Energiesparhäuser konzipiert werden. In diesem Zusammenhang sollten Besitzer und Käufer von Immobilien bedenken, dass energieeffiziente Immobilien einen um 35 % höheren Marktwert aufweisen als andere Liegenschaften, sodass sich eine energetische Sanierung auch unter demAspekt der Wertsteigerung lohnt.
Droht eine Immobilienblase?
2021 gab es diverse Analysten, die das Platzen einer Blase auf dem Immobilienmarkt befürchteten. Sie argumentierten, die massiv gestiegenen Preise würden durch die tatsächliche Wertentwicklung der Immobilien nicht mehr gedeckt. In dieser Hinsicht geben die meisten Wirtschaftsexperten allerdings vorsichtige Entwarnung. Ihrer Ansicht nach stecke in deutschen Immobilien zu viel Eigenkapital und damit Substanz, während das Kriterium einer Blase das Fehlen von Substanz ist.
Die strengen Vergabekriterien von Baukrediten und die immer noch geringe Verschuldung deutscher Haushalte würden dazu beitragen, dass Immobilienbesitzer in Deutschland überwiegend ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen könnten. Dies gelte auch deshalb, weil Immobilienkäufe in Deutschland solider finanziert würden, als dies im Ausland geschehe.
Prognose – entscheidend bleibt die Lage
Die Immobilienpreise haben sich in Deutschland seit 2004 fast verdoppelt. Die Erhöhung des Leitzinses der EZB auf bereits 2,0 % und steigende Bauzinsen dämpfen die Nachfrage, zumal Analysten mit Blick auf die Zinsraten davon ausgehen, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.
Der noch 2021 zu beobachtende massive Preisanstieg von Immobilien hat sich 2022 spürbar abgeschwächt, was ein Signal für die Zukunft sein könnte. Entscheidend wird sein, wo man in Immobilien investiert, denn, auch hier sind sich die meisten Wirtschaftsexperten einig, die Spaltung zwischen strukturstarken und strukturschwachen Regionen werde sich fortsetzen.








